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Der Fall
Zu einer Zeit, da die
Welt eine kleine Insel ist, flogen die Chef-Krähen
zum letzten Baum der stand und hielten Rat. Denn die
Lage in der Welt war nicht gut, eher schlecht.
Jedenfalls war es typisch, daß wieder einmal nur ein
paar Krähen Rat hielten ohne dem Rest der Meute
Bescheid zu sagen. Die vielen anderen Inselbewohner
wurden nicht in den Baum gelassen und darob nicht
gerade erfreut. Aber da sie noch nie mitmachen
durften legte sich ihr Ärger rasch bis extrem
schnell.
An allen Teilen von
Atlantera stapelten sich die Vögel. Die Elstern
wurden von den Staren durch die Äcker gejagt weil
die Legende besagte daß sie vor langer Zeit die
Sterne geklaut hatten. Die Amseln versteckten sich
seit Jahren, denn jeder ärgerte sie. Und die Raben
beäugten alles mißtrauisch, ab und an rissen sie
einen der Vögel aus den Reihen und schmissen ihn ins
Meer. Vereinzelte schwarze Vögel fatterten
kreischend durch die Luft, aber das Fliegen
beherrschte hier keiner mehr so recht. Die Welt war
klein, das Wasser unendlich, die Bäume weg. Außer
einem, und auf dem saßen die Krähen unter dem
Vorsitz von zwei Beos und hielten ihre
Krisensitzung. Denn es war das Ende der Zeiten
gekommen. Das Futter war weg.
Seit Jahrzehnten
bekriegten sich die Vögel auf dieser Insel, jeder
versuchte für sich das Leben zu meistern, Freunde
gab es nicht, nur Mitstreiter, Verbündete, Feinde.
Im Zuge dieses Treibens wurde die Welt der Krähen so
geschändet, daß nun nichts mehr da war worum man
kämpfen konnte. Die Bäume waren längst abgenagt, die
Äcker von allen ihren leckeren Wacholderwurzeln
leergewühlt, die See mit Krähenfuttermittel
verschmutzt - es gab nur noch die Vögel und ihre
Mißgunst gegen alles andere außer sich selbst.
Der oberste Beo erhob
die Stimme: "Wir haben kein Futter mehr worum wir
streiten können. Worum sollen wir jetzt kämpfen? Es
geht um unsere Existenz, unsere Natur." "Laßt uns
die Amseln essen", sprach ein hochrangiger Rabe in
der zweiten Reihe. "Die sind doch sowieso sinnlos,
feige - sie beteiligen sich doch eh nicht an unserer
Lebensweise." "Ein guter Plan," beschloß der oberste
Beo. "Wir müssen sie nur noch finden. Kräht zur
Amseljagd!" Ein fürchterliches Getöse und Geschreie
drang über die karge Insel, die Vögel machten sich
daran, die Wut und ihre verstörte Natur gegen sich
selbst zu wenden. Und bald schon klebte Blut an
ihren schwarzen Flügeln....
Der Knick
Das war ungefähr der
Moment als es dem Chef zu bunt wurde. Das war aber
eher unwichtig, denn was die Vögel auch nicht
bedacht hatten war, daß die Insel Atlantera immer
schon die Lieblingsinsel des Meeres und der
Sonnenfrau gewesen war - und ihrem häßlichen
Untergang konnten beide nicht wirklich tatenlos
zusehen.
Das Meer wurde
unruhig, es zürnte und rief: "So, ihr Vögel. Ich
will meine Wurzeln, Sterne und mich selber
wiederhaben. Es reicht."
Und das Meer schickte
eine 12 Rabenmeter hohe Flutwelle Richtung
Atlantera. Die Vögel hätten sie sicher sehen können,
aber sie konnten ja nicht mal mehr so hoch fliegen
daß sie hätten erblicken können wie es um ihre
eigene Welt stand. Oder um die Sterne zu sehen.
Die Welle traf die
Insel mit großer Macht und schrecklicher Zerstörung.
Die Vögel wurden einfach weggewischt, nur die die
noch ein bißchen fliegen konnten hatten eine geringe
Chance. 7 Tage und 7 Nächte brauste der Sturm über
der Welt - dann trat Todesstille ein. Kleine
schwarze Flügelspitzen blitzten noch manchmal im
Meer auf, ansonsten war Atlantera das erste Mal seit
89723287548 Jahren nicht mehr Schwarz. Mit der Zeit
begann die Insel sich zu erholen, Grün sproß hier
und da, kleine Bäume wuchsen leise. Atlantera sah
langsam wieder aus wie eine Insel. Wie die
Lieblingsinsel vom Meer und der großen Sonnenfrau.
Die Sterne
Eines Nachts, es war
vielleicht 2 Wochen nach der Flut, lugte eine kleine
Schar schwarzer Vögel
aus ihrem Atomschutzbunker. Kleine gelbe Augen
blinzelten in die Dunkelheit. Und wie sie alle
herausgekrochen waren, wagten sie nicht zu sprechen,
so still war es. So kauerten sie sich aneinader,
Amsel an Elster, Krähe an Rabe, bis die Sonne
langsam aufging. Als die ersten Strahlen über die
grünen Wiesen strichen und Atlantera vor den Augen
der geschändeten Krähen in voller Schönheit
erschien, weinten die Vögel bitterlich und schämten
sich sehr. Und plötzlich fiel ihnen auch auf, daß
der Himmel gar nicht mehr leer war, sondern voller
blinkender Sachen.
In den folgenden Tagen
begannen die Vögel ein Nest zu bauen und sie
bemerkten, das Raben sehr gut Äste klauen konnten,
wobei die Elstern vor allem bei der Wärmeisolierung
glänzten. Die Beos hielten alle bei Laune mit
schlechten Witzen und die Amseln malten die
Baupläne. Und die Krähen bauten das schönste Nest
was Atlantera je gesehen hatte. Und die Vögel
ihrerseits lebten auf der schönsten Insel die sie je
gesehen hatten. Die ersten Tage kam sogar manchmal
die liebe Sonnenfrau und brachte Körner und Würmer
mit. Das Meer war noch ein bißchen wütend, aber es
war schon milder gestimmt als vor 3 Wochen.
So richtig merkten die
Vögel allerdings erst wie bescheuert sie gewesen
waren, als die ersten begannen zu fliegen weil die
Luft so lecker war. Denn hoch oben, wenn sie auf die
Insel blickten, sahen sie daß sie nicht alleine
waren. Dies war natürlich ein neuer Anfang und das
nicht zu knapp.
Wenn die Krähen jetzt
abends zusammen saßen und in den Himmel sahen,
schauten sie Stundenlang auf die Sterne die über
ihnen leuchteten, einladend und voller Hoffnung.
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