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Auf dem Weg ins Kino
traf ich neulich eine schmale Schlange, die sich in
Schlangenlinien fortschlängelte und sich kaum noch
auf den Beinen halten konnte. Sie war ein
attraktives Ding, und so fragte ich sie kurzerhand,
ob sie mit ins Kino kommen wollte. Die Schlange
überlegte nicht lange und ging auf meinen Vorschlag
ein, denn ihr war furchtbar langweilig und dazu
konnte sie die Abwechslung angeblich gut gebrauchen.
So kam es, daß ich plötzlich mit einer alle Blicke
auf sich ziehenden Schlange vor dem Kino in der
Schlange stand und Händchen hielt. Natürlich lud ich
sie ein und kaufte zwei wunderschöne Plätze für uns
in der ersten Reihe damit das hübsche Tier auch
gemütlich eingerollt noch gut genug sehen konnte.
Der Film war spannend und gemein, so das die
Schlange sich von Zeit zu Zeit um meinen Hals
wickelte und ich ihr die Augen zuhalten mußte, denn
das konnte sie ja nicht selber. Zum Glück war sie
keine Würgeschlange, sondern eine zurückhaltende
Viper mit tollen ausklappbaren Giftzähnen.
In der Pause verdaute
sie die Tüte Popcorn, die sie ungeöffnet während des
Films verschlungen hatte. Dabei machte sie ein ganz
komisches Gesicht und noch seltsamere Geräusche,
verlor aber nie ihren Reptiliencharme. Den ganzen
zweiten Teil des Films lang versuchte sie
angestrengt, mit ihrer kleinen gespaltenen Zunge
eine Flasche Cola Light zu trinken. Hinterher fragte
ich sie, ob wir noch irgendwohin gehen wollten, und
die schmale Viper war einverstanden. So kam es, das
wir wenig später in einer verrauchten Bar um die
Ecke saßen und uns angeregt unterhielten, über
Agamen, darüber was besser sei, Gift oder Würge,
aber auch über unsere Lieblingsbücher und über
unsere gemeinsame Abneigung gegen bestimmte Wörter
oder stumpfe Gegenstände. Ich war froh und
glücklich, daß ich so eine nette Schlange
kennengelernt hatte und ich glaube, sie fand mich
auch nicht schlecht. Jedenfalls trafen wir uns in
den nächsten Tagen noch ein paar Mal und kamen uns
näher. Die hübsche Viper hieß Kiki und war
Künstlerin. Sie war eine geschickte Malerin und ihre
Werke besaßen eine ungewöhnliche Kraft, und außerdem
rochen sie komisch. Das mochte allerdings an dem
Gift liegen, das sie ab und an unter ihre
Pigmentfarben mischte. Schon nach drei Wochen schon
war uns klar, wir würden zusammen bleiben, und bald
darauf zog Kiki, die kleine Viper, zu mir in meine
Dachwohnung. Ich war mächtig stolz darauf, so eine
attraktive und intelligente Freundin gefunden zu
haben und brannte schon darauf sie in der
Öffentlichkeit vorzuführen. „Das muß ja eine tolle
Frau sein, so wie du von ihr erzählst“, sagten meine
Freunde und wollten sie unbedingt kennenlernen. So
lud ich eines Abends ein paar meiner liebsten
Bekannten zum Essen ein und sie kamen mitsamt ihrer
weiblichen Begleitungen. Ich hatte ein
Kartoffelgratin gemacht und Kiki bereitete ein paar
leckere Ratten köstlich zu.
„Wo ist denn die
Herrin des Hauses“, fragten meine Freunde ganz
neugierig als sie meine Wohnung betraten und ich
zeigte unauffällig und etwas peinlich berührt auf
Kiki, die um meinen Hals hing und höflich ihren
Schwanz zur Begrüßung hochhielt. Es war schon ein
starkes Stück, daß niemand meine Freundin bemerkt
hatte und ich hoffte inständig, daß Kiki nicht
traurig darüber oder getroffen davon war. „Äh,
huch!“ riefen meine Freunde, und ihre Mädchen
kreischten. Dann lachten einige und sagten, „Prima,
guter Witz, das mit der Schlange, aber wo ist denn
jetzt deine Freundin?“ Ich wurde langsam etwas
ungehalten. „Also, das ist nicht sehr freundlich von
euch“, sagte ich und wies erneut auf Kiki. Ich rügte
meine Kameraden, denn so verhielt man sich nicht in
Gegenwart von meiner Freundin. Aber sie machten noch
ein paar mehr Witze und nahmen mich nicht ernst. Da
wurde es mir zu bunt. Ich schmiß sie alle raus und
sagte ihnen unmißverständlich, daß sie nicht
wiederzukommen brauchten. Ich wollte sie nie
wiedersehen, auf solche Freunde konnte ich
verzichten. Statt dessen machte ich es mir mit Kiki
vor dem Fernseher bequem und wir aßen unser tolles
Essen alleine. Und ich war sehr glücklich, denn ich
habe die wunderbarste Freundin der Welt.
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